Sandschak Kräher

Sandschak Kräher – Hahnenkampf auf Serbisch

Hahnenkämpfe sind nichts für den durchschnittlichen Mitteleuropäer. Längst gelten sie hier als verpönt und tierschutzwidrig. Doch, was kaum jemand weiß, es gibt auch eine unblutige Art des Hahnenkampfes, die vermutlich uralt ist und bei der die Tiere nicht in der Kampfarena gegeneinander antreten müssen, nämlich den Langkräh-Wettbewerb. Klingt erst mal unvorstellbar, aber tatsächlich haben sich im Laufe der Geschichte in verschiedenen Regionen Eurasiens Langkrährassen herausgebildet, die speziell für diesen Zweck erzüchtet wurden. Die “Denizli” in der Türkei, die “Bergischen Kräher” in Deutschland und die japanischen Rassen “Tomaru”, “Totenko” und “Koeyoshi” sind nur die bekanntesten Beispiele davon. Wenig bekannt ist, dass es auch in Südosteuropa eine große Population an Langkrähern gibt, die mehrere verschiedene Rassen und Typen umfasst, von denen man am ehesten noch etwas von den Kosovo-Krähern und den Bosnischen Krähern lesen wird. Die größte und stattlichste der osteuropäischen Langkräher ist jedoch der Sandschak Kräher und um so mehr erstaunt es, dass dieser erst vor Kurzem etwas mehr Aufmerksamkeit bekam.

Was ist der Sandschak?

Der Sandschak ist ein historische Region, die bis zum Ende des ersten Balkankrieges, im Jahre 1913 eine Verwaltungseinheit des Osmanischen Reiches darstellte. Als Folge des Krieges wurde das Gebiet zwischen Serbien und Montenegro aufgeteilt und somit selbstredend zu einer “grenzübergreifenden Krisenzone”. Trotz der Kriegswirren ist aber in beiden Teilen die Liebe für die Zucht der Sandschak Kräher erhalten geblieben.

Die akustischen Eigenschaften der Sandschak Kräher

Durch jahrhundertelange Selektion konnte man das übliche Hahnenkrähen, welches ca. 5 Sekunden dauert, auf Längen von deutlich über 20 Sekunden hin ausdehnen. Als ich selber zum ersten mal einen Sandschak-Hahn hörte, traute ich erst meinen Ohren kaum und kam hinterher zu dem Schluss, dass so vielleicht vor vielen Jahrmillionen der Kampfschrei des Tyrannosaurus-Rex geklungen haben könnte.
Weil die Frequenz des Krähens bei den “Sandschaks” recht tief ist, hört man den Krähruf nicht so weit hinaus wie bei Hähnen der üblichen Rassen. Unter Umständen kann das ein Vorteil sein, wenn man wenig tolerante Nachbarn hat, die in mittlerer Entfernung wohnen.

Aktueller Zuchtstand

Mittlerweile werden die Sandschak Kräher auch im deutschsprachigen Raum gezüchtet und es hat sich ein kleiner Kreis von begeisterten Enthusiasten um die Rasse herum gebildet, die erfreulicherweise auch sehr wirtschaftlich ist. Sandschak-Hennen legen bis zu 200 Eier im Jahr und diese stehen den industriellen Eiern der braunen Hybridhühner in Nichts nach. Zweijährige Hennen legen besonders große Eier und übertrumpfen das “Standartei” mitunter sogar deutlich mit bis zu 70g Eigewicht. Außerdem eignen sich die “Sandschaks” dank ihres schnellen Wachstums und des Gewichts von bis zu 5 kg bei den Hähnen, auch gut als Zweinutzungsrasse für Selbstversorger. Es lohnt sich die Hähnchen zu mästen, denn das Tafelfleisch hat Gourmetqualität. Die häufigsten Farben in denen man Sandschak Kräher im deutschsprachigen Raum antrifft sind Schwarz, Weiß, Blau und Gescheckt. Alle Sandschak Kräher haben eine Federhaube, die häufig Richtung Spitzhaube tendiert und einen relativ langgestreckten, aufgerichteten Körperbau.
Einen offiziellen Zucht-Standard für die Rasse gibt es derzeit in Österreich und Deutschland noch nicht, da bei den verbliebenen Tieren besonders auf die Verbesserung des Krährufes hingearbeitet wird, anstatt auf perfektes Aussehen. Körperliche Merkmale stehen bei Langkrähern zurecht immer an zweiter Stelle und ich hoffe daher, dass man auch in Zukunft aus den Sandschak Krähern keine Show-Rasse machen wird! Wer nun gerne selber einen Sandschak-Hahn krähern hören möchte, der sollte sich unbedingt Folge 45 von “Happy Huhn” ansehen:

Folge 45 von Happy Huhn

Sandschak Kräher

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Robert Höck (C) für die freundliche Unterstützung !

 

Steinhendl

Das bunt gesprenkelte Steinhendl zählt zu den letzten Vertretern des europäischen Landhuhnes. Es wurde bis heute keinem Standard oder Formalismus unterworfen und züchterisch nicht verbessert. Entsprechend robust und ursprünglich sind die kleinen, sehr beweglichen und flugfähigen Landhühner. Die aufgeweckten Tiere wurden in traditioneller bäuerlicher Haltung meist sich selbst überlassen und suchten ihr Futter vorzugsweise eigenständig. Ihre Schlafplätze wählen sie auf erhöhten, geschützten Stellen im Hofverband. Gerne verbringen die Tiere die Nächte auf Schlafbäumen. Der Bruttrieb wurde den Tieren nicht weggezüchtet und ist bei diesem farbenfrohen Landhuhn besonders stark ausgeprägt. Die Glucken sind sehr fürsorglich und verteidigen ihre Küken vehement gegen Fressfeinde. Aufgrund ihres Freiheitsdrangs sind die Hühner selbst auch das Ziel von Raubwild, wie dem Habicht. Ihr ausgeprägter Instinkt und ihre ursprünglichen Verhaltensweisen sind überlebenswichtig für diese „halbwilden“ Landhühner.

Das Steinhendl wurde bislang nicht auf verschiedene Farbschläge sondern auf Robustheit und auf Bruttrieb selektiert. Neben einer gewissen Variabilität in der Größe kommen beim Steinhendl daher verschiedenste bunt gesprenkelte Farbkombinationen vor.

Heute existieren nur mehr rund 250 Tiere und das kleine bunte Landhuhn ist vom Aussterben bedroht. Der Zuchtverein für traditionelles Nutzgeflügel in den Alpen eV.  betreut die Rasse und führt ein Generhaltungsprogramm (www.alpenrassen.at./ mailto: info@alpenrassen.at)

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Günter Jaritz (C).

Steinhendl

 

La Fleche

Wir blicken hinüber nach Frankreich, wo bereits im 15. Jahrhundert über diese Hühnerrasse berichtet wird. Ihr Ursprung liegt, wie der Name schon vermuten lässt, in der Stadt La Fleche, wo sie vermutlich aus einer Kreuzung von schwarzen Spaniern und Crève-Coeur entstanden sind.

Vier Farbschläge sind von offizieller Seite anerkannt : schwarz, weiß, blau und gesperbert. Zusätzlich in Deutschland auch noch der perlgraue Farbschlag.

Bei fast allen Farben sind die Läufe blaugrau, Kamm, Kinnlappen und die unbefiederte Gesichtshaut kräftig rot, die Ohrscheiben weiß. Das auffälligste Merkmal ist die Kammform, der V-Kamm,  die beiden „Hörnchen“, brachten ihnen auch den Beinamen „Teufelsköpfe“.

Die schnellwüchsige Fleischrasse bringt es auf ca. 180 Eier pro Jahr, deren Schale weiß ist und manchmal einen leicht rosa Schimmer aufweist. Die Hähne sollten mindestens 3,5 Kilo wiegen, Hennen 3 Kilo. Der Bruttrieb ist nur schwach ausgeprägt.

Wir danken Frau S. Luecke (C) ganz herzlich für die freundliche Unterstützung.

 

 

 

Appenzeller Spitzhauben

Ursprünglich war das Spitzhaubenhuhn über Jahrhunderte im Alpenraum verbreitet, wo es im 15. Jahrhundert in Klöstern gezüchtet wurde. Allerdings fand es sich im letzten Jahrhundert nur noch im Gebiet der beiden Appenzeller Halbkantone, somit wurde es nur noch Appenzeller Spitzhaube genannt.

Die Tiere sind hervorragend an die Bergwelt angepasst, sie klettern excellent auf felsigem Grund und können sehr gut fliegen. Aufgrund ihrer kleinen Kehllappen und ihres kleinen Kamms, welcher lediglich zwei kleine Hörnchen besitzt, sind sie gegenüber Frost nicht sehr anfällig.

Die lebhaften Appenzeller Spitzhauben benötigen zur Haltung viel Platz und schlafen durchaus auch gerne auf Bäumen.
Die Legeleistung wird mit 150 weißen Eiern pro Jahr beziffert, bei einem Brutei-Gewicht von 55g.

Anfang der 1950er Jahre war diese Rasse beinahe ausgestorben. Dank des ProSpecieRara-Projekt konnte der Bestand in den frühen 1980er Jahren stabilisiert werden.

Appenzeller Spitzhauben

Wir bedanken uns sehr herzlich für die freundliche Unterstützung durch das hervorragende Bildmaterial bei Frau Claudia Brühlmann (C) aus der Schweiz.